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Der Wind saust in kräftigen Wehen über das Meer. Sein Heulen ist fast gespenstig. Dunkle Wolken türmen sich am Himmel. Sie sind der Vorbote eines gewaltigen Unwetters. Der Mond ist noch in seiner runden Form zu sehen und erleuchtet die finstere Nacht. Doch schon bald wird auch er hinter den Wolken verschwinden, um die Welt in finsterster Schwärze zurückzulassen. In der Ferne erleuchten grelle Blitze den Nachthimmel, gefolgt von mächtigen Donnern. Gewaltige Wellen rollen schnell auf das Land zu, nur um sich dann an den hohen Klippen mit lautem Tosen zu brechen.

All dem schenkt sie wenig Beachtung. Ihr Blick ist auf einen kleinen, kaum erkennbaren Punkt am weiten Horizont fixiert. Dort – weit draußen im Meer – könnte er es sein? Bereits viele Wochen lang kommt sie Tag für Tag zu der Klippe. Von hier oben hat sie einen guten Blick auf den unendlichen Ozean. Hier stand sie bereits vor langer Zeit und beobachtete, wie das Schiff ihres Geliebten langsam immer kleiner wurde, bis es schließlich am Horizont entschwand. Er sollte schon längst wieder zurück sein. Was war geschehen? Mit jedem Tag wurde sie unruhiger. Die Sorgen wuchsen, die Nächte wurden immer länger. Würde er es sicher nach Hause schaffen? Die Sehnsucht zerriss ihr bald das Herz.

Sie starrte noch intensiver auf den kleinen Punkt am Horizont. Nein, sie irrte sich nicht! Es musste ein Schiff sein! Und tatsächlich wurde der winzige Punkt zunehmend größer. Es war ein Schiff! Aber war es SEIN Schiff? Voller Ungeduld gemischt mit freudiger Erwartung beobachtete sie den Punkt, der langsam größer wurde. Sie achtete nicht darauf, wie der Wind um sie herum heulte und an ihr zerrte. Nach einer Weile konnte sie  die Masten des Schiffes erkennen. Ja, es war ein Rahsegler! Könnten es tatsächlich drei Masten sein? Ja, es ist ein Dreimaster! Das muss er sein! Ihr Herz raste vor Aufregung! Gespannt erforschte sie jedes erkennbare Detail des Schiffes als es näherkam. Es war in der Tat SEIN Schiff!
Majestätisch und mit vollen Segeln näherte es sich nun schnell dem Land. Er hat es nach Hause geschafft!

Der Gedanke hinter dem Bild

Dies ist bestimmt die Geschichte vieler Frauen vergangener Jahrhunderte, die sehnsüchtig auf die sichere Heimkehr ihrer Liebsten warteten. In Zeiten vor Internet und Telefon war man zum Teil jahrelang getrennt und wusste nichts voneinander. Gerade Seefahrern konnte so viel zu stoßen. Manchmal verschluckte das Meer einfach so ganze Schiffe. Eine sichere Heimkehr war nie gewiss. Wie muss es den Frauen und Müttern dieser Seefahrer ergangen sein?

 

Das heutige Bild erzählt die Geschichte einer jungen Liebe. Es handelt sich um ein Auftragsbild. Der Gedanke hinter dem Bild war von Odyseus, dem mythologischen griechischen Seefahrer, inspiriert. Seine Frau Penelope erwartet sehnsüchtig seine sichere Heimkehr. Wie nun ein Betrachter des Bildes feststellen wird, findet man wenig Griechisches in dem Bild. Das war eine bewusste Entscheidung. Die Liebesgeschichte von Odyseus und Penelope wurde in das frühe 19. Jahrhundert übertragen – in die Epoche, von der ich am liebsten Segelschiffe male.

Dieses Bild wurde vor einiger Zeit von einem Segelkameraden aus der Schweiz in Auftrag gegeben. 2024 segelten wir gemeinsam in einer Wache auf der Brigg Roald Amundsen von Flensburg nach Oslo. Dies war mein bisher schönster Törn gewesen, den ich niemals vergessen werde. Ich habe unglaublich viel auf diesem Törn gelernt und mitnehmen dürfen.

Die Entstehung des Bildes

Umso mehr freute ich mich über diesen Auftrag. Ich malte das Bild letztes Jahr. Das Motiv des Segelschiffes hatte ich bereits schon einmal gemalt. Dieses erste Bild ist und bleibt mein persönliches Meisterwerk und mein Lieblingsbild. Aber ich freute mich, dass ich das Motiv noch einmal verwenden konnte. Diesmal wollte ich einige Fehler von meinem ersten Versuch korrigieren, was mir auch gelang. Zum Beispiel hatte ich bei meinem ersten Bild die Höhe der Masten unterschätzt, sodass der Hauptmast nicht mehr auf das Bild passte. Den Fehler bei dem neuen Bild zu korrigieren war relativ einfach, denn das Schiff sollte etwas kleiner werden. Auch manches Segel gelang mir besser. Probleme in diesem Bild machte mir wieder einmal die Perspektive. Die Wellen passen nicht ganz im Vergleich zu den Klippen. Diese habe ich weitestgehend aus dem Kopf gemalt. Für das Schiff, die Frau und z. T. auch die Wolken nutzte ich Referenzbilder. Ein kleiner Fehler ist mir in der Flagge passiert. Es sollte eigentlich die englische Flagge werden, da die Briten für viele Jahre die berühmteste Kriegsmarine hatten. Bei dem gemalten Schiff handelt es sich tatsächlich um ein Kriegsschiff, allerdings ist es die USS Philadelphia. Das Originalbild wurde von Maarten Platjes gemalt. Mit seiner Detailgenauigkeit ist er mein großes Vorbild, was maritime Malerei angeht. Nun habe ich allerdings ganz aus Versehen die Farben in der Flagge vertauscht. So segelt das Schiff nun unter einer Fantasieflagge.

Das Endergebnis ist auf eine Leinwand in der Größe 60x80cm gemalt.

Wie das Bild in die Schweiz kam

Das Bild wurde im Spätsommer 2025 fertig. Nun war die Frage, wie das Bild sicher in die Schweiz kommen sollte. Das sollte sich als schwieriger erweisen als wir beide es für möglich hielten. Per Post wollten wir es nicht senden, da wir Sorge um die Sicherheit des Bildes hatten. Da der Auftraggeber gerne reiste, wollte er persönlich nach Leipzig kommen, um das Bild abzuholen. Also machten wir einen Termin aus und er fuhr los. Er war auch schon den größten Teil der Strecke gefahren als ihn auf der Autobahn ein Platzregen überkam. Ein Unfall durch Aquaplaning beendete die Reise frühzeitig. Ich bin bis heute sehr dankbar, dass ihm selbst nichts passiert ist. Nur das Auto war ein Totalschaden. Damit musste das Bild noch eine Weile bei mir bleiben.

Wir suchten noch eine andere Möglichkeit, dass Bild in die Schweiz zu bekommen. Doch letztendlich entschieden wir uns doch für den postalischen Weg. Aber eine Leinwand per Post in die Schweiz zu bekommen, war gar nicht so einfach! Es ist viel Papierkrieg dafür nötig. Mit Hilfe von KI schaffte ich es allerdings, das Bild erfolgreich in die Schweiz zu versenden. Es kam letztendlich Ende Januar dieses Jahres wohlbehalten und steuerfrei an.

Ich ließ den glücklichen Auftraggeber den Preis des Bildes selbst bestimmen. Er bezahlte einen Betrag, den ich nie für eines meiner Bilder verlangt hätte. Damit ist dieses Bild aktuell das wertvollste meiner bisher gemalten Werke.
Ich war überwältigt! Das Geld kam genau im richtigen Moment. Ich befand mich gerade in den Sprung in die Selbstständigkeit und konnte jeden Euro gut gebrauchen. Der Erlös dieses Bildes half mir in der Startphase sehr weiter! Damit ist dies für mich ein kleines Wunder und Grund zu großer Dankbarkeit!

Um die Abenteuer rund um meinen Weg in die Selbstständigkeit soll es im nächsten Blogbeitrag gehen! 😊

Zum Schluss noch einmal das Schwesterbild aus dem Jahr 2021:

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