Lost in Sea – Verschollen auf See

A smooth sea never made a skillful sailor.

Eine ruhige See macht keinen erfahrenen Seemann. 

– Franklin D. Roosevelt 

 

 

 

Segeln ist eine hohe Kunst. Eine kleine Jolle kann man vielleicht
ohne große Kenntnisse über ein Binnengewässer segeln.

Wer aber ein größeres Schiff durch die Weltmeere manövrieren
will braucht Erfahrung. Natürlich sollte er Kenntnisse im Bereich
der Navigation haben, aber er sollte vor allem sein Schiff und
seine Mannschaft kennen. 

Wer einen Großsegler sicher von einem Hafen zum nächsten bringen möchte, sollte wissen, welche Segel sein Schiff besitzt und wann er welches Segel setzen muss und wann Zeit ist, Segel einzuholen. Das ist eine Wissenschaft für sich. Ein guter Seemann behält stets einen kühlen Kopf. Selbst im schwersten Unwetter, wenn gewaltige Wellen sich über dem Schiff brechen, Blitze und Donner das ganze Schiff erzittern lassen und das Schiff wie eine Nussschale hin und her geworfen wird – selbst in dieser Situation muss ein Kapitän einen kühlen Kopf bewahren. Eine falsche Entscheidung kann das Schiff zum Kentern bringen und die gesamte Mannschaft in ein kaltes Grab befördern. Diese Fähigkeiten können aber nur in so einer Situation wirklich erlernt werden.
Man kann in der Theorie gelernt haben, wie man in solchen Situationen reagiert, aber erst durch Erfahrung kann man zu einem echten Profi werden.

Doch es ist nicht nur der Seemann, der durch eine raue See an Erfahrung gewinnt. Jeder Mensch erlebt Stürme in seinem Leben, die ihn manchmal drohen umzuwerfen. Doch was für die Seemannschaft gilt, gilt auch für uns Landratten. Wir sehen Schwierigkeiten oft als Probleme. Vielleicht sollten wir sie eher als Chancen sehen? Vielleicht sind es gerade die Situationen, in denen wir kein Licht mehr sehen, die, die uns am Ende zum größten Segen gereichen? 

Es war das Jahr 2019 als ich mich letztendlich entschloss meinen Traum vom Segeln wahr werden zu lassen. Bis dahin hatte ich mein Fuß noch nie auf ein Segelboot gesetzt. Doch genau vor einem Jahr sollte sich das ändern. Gemeinsam mit einer Freundin, die meine Begeisterung für das Segeln teilte, meldeten wir uns für einen Tagessegeltörn auf dem Ammersee an. Gesegelt wurde auf einem kleinen historischen Zweimaster. Es war sonniges Sommerwetter und es ging eine leichte Brise. Auch wenn wir nicht viele Segel setzten, bekamen wir einen kleinen Einblick in dieses – für uns – neue Universum.

Es war ein herrlicher Tag, an den mich ein Sonnenbrand an den Knien den ganzen Sommer lang erinnerte.
Dieses Erlebnis inspirierte mich für das Bild, dass ich euch heute vorstellen möchte. Es wurde eben für diese Freundin gemalt, mit der ich meine allererste Segelerfahrung teilen durfte.
Mit diesem Bild begab ich mich auf eine neue Ebene der Malerei. Es war so schwer Wellen zu malen. Das hätte ich nicht für möglich gehalten. Auch der Himmel mit den Wolken war eine ordentliche Herausforderung. An dem Probebild habe ich eine gefühlte Ewigkeit gesessen. Das Schiff an sich fiel mir recht leicht. Auch die Segel zu malen, war herausfordernd, wenn auch nicht ganz so schlimm wie die Wellen und die Wolken.
Das Bild ist nach einem Youtubetutorial entstanden. Es hat den Titel des Originalkünstlers erhalten: “Lost in Sea”. 

Dieses Bild war mir sehr ans Herz gewachsen, weil es einen Hauch von Abenteuer hat. Wer so einen Sturm auf hoher See erlebt hat, kann bestimmt einige Geschichten erzählen. Es erinnert an Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. Geschichten, die mich schon als Kind sehr fasziniert haben. In meinen jungen Jahren habe ich die Lebensgeschichte eines Mannes gelesen, der im 19. Jahrhundert gelebt hat.

Quelle. Wikipedia

Sein Name war Joseph Bates. Bereits als Junge wollte er zur See fahren. Sein Herz brannte für das Meer und alles was dahinter lag. Vergebens versuchten seine Eltern ihm diesen Traum auszureden. So kam es, dass er im Alter von 15 Jahren auf der “Fanny” von New Bedford, Massachussetts nach London segelte. Damit begannen für ihn 21 spannende Jahre auf See. Eines seiner Erlebnisse möchte ich mit euch hier teilen: 

“Der große, geschmeidige Hai folgte dem Frachtschiff Fanny den ganzen Tag, wobei er sich immer auf der derselben Seite des Schiffs hielt. Der Hai war schlau genug außer Reichweite der Harpunen zu bleiben und obwohl die Matrosen alles versuchten, um ihn loszuwerden, hatten sie keinen Erfolg. Ein weitverbreiteter Aberglaube auf See besagte, dass wenn ein Hai einem Schiff folgte, entweder jemand sterben oder über Bord gehen würde. Nicht wenige der Männer auf der Fanny waren diesem Aberglauben verfallen.
Am späten Nachmittag schickte der diensthabende Offizier den jungen, unerfahrenen Joseph den Mast hinauf, um nach anderen Schiffen Ausschau zu halten. Da er nichts sah, begann er wieder herunterzuklettern. Auf einmal rutschte er weg, verlor den Halt und fiel hinunter auf das Deck. Kurz vor dem Aufprall fiel er auf ein Seil und statt in den sicheren Tod auf das Deck zu stürzen, wurde er ins Meer geworfen. Weiter, immer weiter sank er hinunter in die Tiefe. 

“Mann über Bord! Mann über Bord!”, rief einer der Matrosen, der ihn hatte fallen sehen.
Der Kapitän und seine Männer stürzten ans Heck des Schiffs und  suchten mit den Augen das schäumende Kielwasser hinter dem Schiff ab. Der Seemann, der über Bord gegangen war, war nirgends zu sehen. 

Das Gewicht seiner Kleider, vor allem der Stiefel, zog Joseph tief hinunter. Nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte er wieder auf; doch seine Kleider waren so mit Wasser vollgesaugt, dass er sich nicht über Wasser halten konnte. Das Schiff fuhr weiter und seine Aussichten gerettet zu werden waren verschwindend klein.
Zum Glück entdeckte ihn einer der Offiziere in den schäumenden Wellen und warf dem ertrinkenden Jungen, so gut er konnte, ein aufgerolltes Seil zu. Obwohl er schon erschöpft war, wusste Joseph, dass dies seine einzige Chance war. Mit letzter Kraft fing er das Seil und klammerte sich daran fest, während die Männer ihn durch das aufgewühlte Wasser zogen und an Deck hievten. 

In seiner Todesangst hatte Joseph nicht an den Hai gedacht, ganz im Gegensatz zu den anderen Männern; denn Joseph war genau an der Stelle ins Wasser gefallen, wo der Hai sich den ganzen Tag über aufgehalten hatte. Die Seeleute schauten über Bord. Die dunkle Gestalt war nicht mehr da. Als sie auf die andere Seite des Schiffs eilten, erblickten sie den glänzenden Körper des Hais, der immer noch neben dem Schiff herschwamm. Er schien nicht zu wissen, was für ein saftiges Mahl er durch seinen Kurswechsel verpasst hatte. 

Während die Matrosen nach dem Hai suchten, wurde Joseph in die kleine Kabine gebracht, die als Lazarett diente. Dort wurde er mit groben Handtüchern trocken gerieben und in Decken eingewickelt. Während er in seiner Hängematte lag und sich von diesem Erlebnis, das ihn fast sein Leben gekostet hätte, erholte, dachte er an seine Mutter. Obwohl er nie darin gelesen hatte, wusste er, dass sie eine kleine Bibel in seine Tasche gesteckt hatte, als er von zu Hause weggegangen war. Es schoss ihm der Gedanke durch den Kopf, dass es sehr wahrscheinlich war, dass die Mutter genau zum Zeitpunkt, als er vom Mast in die kalte, wogende See gefallen war, für ihn gebetet hatte.” 

– Norma J. Collins, Faszinierende Geschichten adventistischer Pioniere, S. 49-51 

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